VR-Fibel, Teil 5: Die eigene VR-Location einrichten

Teil 1: Begriffserklärungen
Teil 2: Räume und Multi-User Anwendungen
Teil 3: Bewegen in VR und Hardware-Szenarien
Teil 4: Aktualisierte Hardware-Szenarien, Stand Herbst 2021
Teil 5: Die eigene VR-Location einrichten

In diesem Teil geht es konkret zur Sache: Sie wollen in Ihrer Firma oder Organisation einen eigenen Bereich für Virtual-Reality Brillen nutzen? Hier erfahren Sie, wie Sie am besten vorgehen. Der folgende Beitrag hat Überschneidungen mit Teil 2 unserer VR-Fibel („Räume und Multi-User-Anwendungen“), konzentriert sich aber mehr auf die konkreten Schritte der Planung und des Aufbaus.

Wir konzentrieren uns hier vor allem auf Räumlichkeiten für nicht-autarke VR-Brillen. Also Brillen, welche auf Basisstationen, einen Computer und entsprechende Kabel angewiesen sind.

Exklusiver VR-Raum oder Mischnutzung?

Die erste Frage, die Sie sich stellen müssen: Kann Ihre Organisation einen oder mehrere Räume exklusiv für VR reservieren? Müssen Sie eventuell sogar regelmäßig den Raum wechseln?

Einen Raum teilen

Grundsätzlich kann ein VR-Raum auch für andere Zwecke genutzt werden. Jedoch sollten Sie folgendes bedenken:

  • Brillen, Basisstationen und Rechner können gestohlen werden. Gerade die Basisstationen sollten fest installiert sein und können schlecht jedes mal abgebaut werden. Besonders bei öffentlichen Einrichtungen kann das zum Problem werden.
  • Die Nutzung von VR benötigt normalerweise einiges an Fläche. Tische und andere Möbelstücke müssen beiseite geschoben werden. Das erhöht den Aufwand für Auf- und Abbau.
  • Sporthallen und Turnräume würden sich gut eigenen – allerdings sind geworfene Bälle sehr gefährlich für die empfindlichen Basisstationen!

Regelmäßiger Raumwechsel

  • Bei einem regelmäßigem Raumwechsel sollten Sie die Auf- und Abbauzeit beachten. Ziehen Sie in Betracht, für jeden Raum Basisstationen anzuschaffen. Diese können fest installiert in den Räumen bleiben.
  • Als Computer empfehlen wir für diesen Fall (teure) Gaming-Laptops. Alternativ können Sie die Computer in rollbaren Kästen verstauen. Dies ist natürlich nur dann eine Lösung, wenn keine Treppen zu bewältigen sind!
  • Wesentlich einfacher lassen sich in diesem Szenario Autarke VR-Brillen nutzen.

Beachten Sie, dass jeder der genutzten Räume tatsächlich für VR geeignet sein sollte – die Anforderungen finden Sie weiter unten.

Grundlegendes: Strom und Netzwerk

Der Raum sollte über genügend Steckdosen verfügen. Computer, Monitore, und jede der Basisstationen benötigen einen Anschluss. Mehrfachsteckdosen können Problem zwar lindern, jedoch empfehlen wir mindestens 1 Steckdose pro verwendetem VR-System.

Wenn sich je eine Steckdose in der Nähe jeder Basisstation befindet, wird der Aufbau leichter, denn unnötige Kabel am Boden können zur Stolperfalle werden.

Wir empfehlen pro VR-System einen physischen Netzwerkanschluss (sprich: ein Anschluss für ein Netzwerkkabel).
Natürlich können die VR-Systeme auch das WLAN Ihrer Organisation benutzen. Aber im Gegensatz zu Internet-Recherchen oder Videos ist für eine VR-Multiuser-Anwendung sind selbst kurze „Aussetzer“ störend.

Autarke VR-Brillen begnügen sich tatsächlich mit WLAN – was sich allerdings in der Qualität der VR-Erfahrung niederschlägt.

Raumgröße

Wir empfehlen eine Mindestgröße von 3m*3m für einen Nutzer. Bei mehreren Nutzern entsprechend mehr. Dabei muss die genannte Fläche nutzbar, d.h. frei von Hindernissen sein.

Je nach Anwendung können auch kleinere Flächen nutzbar sein. Bei bestimmten Anwendungen wie beispielsweise einer simulierten Autofahrt genügt eventuell sogar ein einzelner Sitzplatz.
Falls Sie keine ausreichend großen Räume zur Verfügung haben: Lassen Sie sich von uns beraten, ob sich die geplante VR-Anwendung auch auf einer kleineren Fläche nutzen lässt!

Es ist kein Nachteil, wenn die nutzbare Fläche nicht quadratisch, sondern rechteckig ist, jedoch sollte die Mindestlänge von 4m auch auf der kurzen Seite gegeben sein.

Flächen von mehr als 10m*10m sind möglich, jedoch müssen die Basisstationen dann passend platziert werden, und unter Umständen werden Raumtrenner nötig.

Licht

Gleißend helle Fensterflächen können die Sensoren einer Brille verwirren. Zudem schadet direktes Sonnenlicht den Linsen der Brillen, falls diese versehentlich ungeschützt gelagert werden.

Im Allgemeinen genügt es, wenn ein Raum über Vorhänge oder Jalousien verfügt. Die Brillen sollten dann aber nur in geschlossenen Behältern gelagert werden.

Die gute Nachricht ist, dass Sie auch Räume nutzen können, die sich mangels Fenster ohnehin nicht für reguläre Arbeitsplätze eignen!

Wir bei Flavia haben unseren VR-Raum dunkel gestrichen und mit indirekter Beleuchtung versehen. Ein solcher Aufwand ist zwar nicht nötig, macht aber einen guten Eindruck, falls Sie Ihre VR-Anwendungen häufig Externen präsentieren!

Kabelführung

Grundsätzlich besteht bei herumliegenden Kabeln Stolpergefahr. Platzieren Sie die Rechner so, dass Sie die Anzahl der Kabel am Boden minimieren:

Es gibt auch Systeme, um die Kabel an der Decke entlang zu führen. Nach unserer bisherigen Erfahrung sind solche Systeme jedoch nicht nötig – zumindest nicht für Lehr- und Geschäftsanwendungen, bei denen hektische Bewegungen unüblich sind.

Platzierung und Installation der Basisstationen

Wir empfehlen Ihnen, die Basisstationen nicht mit Stativen aufzustellen, sondern sie direkt an der Wand zu befestigen. Basisstationen sollten in einer Höhe von über 2 Metern montiert werden.
Für detaillierte Informationen zur optimalen Montage nutzen Sie am besten die Angaben des jeweiligen Herstellers (im folgenden Vive):

Beachten Sie, Basistationen und Brille nicht vom selben Hersteller stammen müssen.

Platzieren der Computer

Berücksichtigen Sie beim Platzieren der Computer wie oben beschrieben die Kabelführung.

Davon abgesehen sind Computer auf oder unter einem stabilen Tisch gut aufgehoben: Wenn versehentlich ein Nutzer den vorgegebenen Bereich verlässt, ist es besser, wenn er gegen einen Tisch statt gegen den Computer stößt.

Computer in geschlossenen Schränke sehen aufgeräumter aus, allerdings erschweren diese den Zugriff auf die Verkabelung des Rechners. Falls sie einen Rollcontainer benötigen oder die Computer „wegsperren“ müssen, dann wählen Sie zumindest einen Schrank oder Behälter, der genug Raum und leichten Zugriff auf die Kabel ermöglicht.

Vergessen Sie auch nicht, dass leistungsstarke Rechner unter Volllast eine gute Belüftung zur Wärmeabfuhr benötigen.

Markierung von Flächen

Wenn eine VR-Halle von mehreren Nutzern gleichzeitig genutzt werden soll, sollten die Nutzer verschiedene Bereiche der Halle nutzen. Diese Grenzen werden meist virtuell festgelegt, „echte“ Barrieren sind normalerweise nicht nötig. Allerdings kann es sich lohnen, die vorgesehenen Bereiche vorab farblich zu markieren: So haben Sie jedes mal beim Setup des VR-Bereiches eine klare Orientierungshilfe.

Schalldämmung

Einrichten eines VR-Raumes

Wenn Sie VR nur mit nur mit einem Nutzern pro Zimmer nutzen, müssen Sie sich über Schalldämmung keine großen Gedanken machen.
Bei mehreren Nutzern kann es jedoch zu ungewollten „Echos“ kommen: Das System überträgt die Sprache eines Nutzers an andere Nutzer. Wenn nun die Stimme eines Nutzers vom eigenen Mikrofon und von dem Mikrofon eines Anderen aufgezeichnet wird, ist der Sprechende sozusagen „doppelt“ zu hören.

Sprechen Sie mit uns, bevor Sie großen Aufwand in eine Schalldämmung investieren: unter Umständen ist für Ihre Anwendung ohnehin „Push-to-Talk“ zu empfehlen. In diesem Fall erübrigt sich die Schalldämmung.

Versicherung

Kontaktieren vor Inbetriebnahme Ihres VR-Raumes Ihre Betriebshaftpflichtversicherung beziehungsweise die für Ihre Mitarbeiter zuständige Berufshaftpflichtversicherung. Lassen Sie sich bestätigen, dass der geplante/verwendete Aufbau von der Versicherung akzeptiert wird.

(Bitte beachten Sie: Wir von Flavia können Ihnen keine qualifizierten versicherungsrechtlichen Ratschläge geben.)

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